Ein Spiegelbild der realen Welt sein
- Alexander Koch
- 31. Jan.
- 6 Min. Lesezeit
Ich weiss nicht, wie es Dir geht, aber als ich Human Design entdeckte und mich näher mit meinem eigenen Chart auseinandersetzte, suchte ich als Nächstes die Charts aller Menschen in meinem Umfeld heraus. Es war faszinierend zu sehen, welche verschiedenen Typen auftauchten, und in manchen Fällen passten sie perfekt zu der Lebensweise der jeweiligen Person.
Als es dann aber darum ging, ein Reflektor zu sein und herauszufinden, wie man das im echten Leben umsetzt, stand ich vor einem Rätsel. Es ist ja schön und gut, über die 28-tägige Wartezeit zu scherzen, aber wenn mein Chef mich fragt, an welchen Projekten ich nächste Woche anfangen möchte, kann ich ja schlecht sagen: „Fragen Sie mich in 28 Tagen.“
Wir Reflektoren sind anders konzipiert als 99 % der Bevölkerung, daher müssen wir uns im Grunde mit allem, was von Nicht-Reflektoren kreiert, erfunden, erschaffen und eingeführt wurde, erst einmal vertraut machen, wenn wir authentisch auftreten und glänzen wollen.
Ich möchte euch einige Wege zeigen, wie ich mein Leben persönlich umgestaltet habe, um meinem Reflektor-Ich mehr gerecht zu werden. Ich hoffe, ihr seht diese als Beispiele und nicht als starre Regeln für das „Reflektor-Sein“. Schaut, ob euch etwas davon anspricht, und wenn ihr bereit seid, geht die Schritte, mit denen ihr euch wohlfühlt, um eurem Wesen zu folgen und loszulassen, was euch nicht guttut.

Fangen wir mit der Arbeit an.
Über ein Jahrzehnt lang stand ich pflichtbewusst 6 Uhr morgens auf, ass Frühstück und Mittagessen, ging zum Sport, arbeitete acht oder mehr Stunden im Büro und kam dann völlig erschöpft und ausgelaugt nach Hause. Rückblickend muss ich sagen, dass meine Eltern und meine Vorgesetzten mich zu einem sehr disziplinierten und strukturierten Tagesablauf ‘erzogen’ hatten, aber das kam daher, dass ich mich einfach nach dem bewegte, was mir vorgemacht und vorgelebt wurde. Die Entwürfe stammen nicht von mir.
Als die Pandemie ausbrach, wurde in unseren damaligen Büros alle Mitarbeitenden und Menschen um mich herum ins Homeoffice geschickt, und zwei Jahre lang waren kaum mehr als eine Handvoll Menschen mehr im Büro. Während die Welt mit enormem Stress, Unsicherheit und Trauer zu kämpfen hatte, fühlte ich mich... absolut frei. Nicht länger der Meetingstress und an den total überfüllten Zeitplan gebunden. Es war die Veränderung, die ich brauchte, um etwas anders anzugehen. Und jetzt weiss ich, dass ich nie wieder so weitermachen könnte wie früher.
Die meisten Reflektoren arbeiten in Berufen oder Arbeitsumgebungen, die viel zu starr sind oder eine hohe Spezialisierung erfordern. Beides hemmt unsere Talente erheblich. Eine traditionelle 20- bis 30-jährige Karriere im selben Bereich? Nichts für uns!
Wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Beruf nicht zu Dir passt, und Du bereit bist, einige unangenehme Fragen zu stellen, dann findest Du hier einen guten Ausgangspunkt.
Was mache ich gerne?Jetzt! Nicht als Kind, nicht im Sinne von „Wofür bin ich zur Schule gegangen?“, sondern im Sinne dessen, was mich heute begeistert. Das wird wahrscheinlich mehr als eine Sache sein.
Welches Arbeitsumfeld passt zu mir? Mitarbeiter mit einem unbeständigen Energielevel sind wahrscheinlich nicht ideal, daher sind lange, anstrengende Arbeitszeiten in einem Bürogebäude an 5 Tagen pro Woche nicht optimal.
Mit welcher Art von Chef/Führungskraft würde ich gerne zusammenarbeiten? Die Antwort könnte „keiner“ lauten, und das ist in Ordnung.
Wie steht es für mich dazu, mehrere Jobs/Geschäftsprojekte gleichzeitig zu haben, im Vergleich zu einer einzigen Einkommensquelle?
Ich betrachte Arbeit lieber als Buffet denn als festes Menü. Dadurch, dass ich heute verschiedene Projekte parallel bediene, kann ich immer auf das zurückgreifen und mich dort einbringen und verwirklichen, was ich gerade brauche und was sich für mich gerade gut anfühlt..
Wenn Du es ernst meinst mit der grösseren Veränderung, solltest Du Dir mindestens einen Monat Zeit nehmen, um über einige dieser Fragen nachzudenken, bevor Du handelst.
Wie sieht es mit Beziehungen aus?
Als Chamäleons des Human Design passen wir uns unseren Persönlichkeiten, Interessen und Verhaltensweisen an. Daran ist nichts auszusetzen! Nur liegt es in unserer Natur, uns von neuen Menschen beeinflussen zu lassen, wenn wir sie kennenlernen oder eine Beziehung eingehen. Das kann uns das Gefühl geben, mehrere Persönlichkeiten zu haben.
Als ich jünger war und mich verabredete, änderten sich manchmal mein Musikgeschmack, meine Hobbys und sogar mein Verhalten je nachdem, mit wem ich Zeit verbrachte. Eine Kollegin sagte mir einmal, sie könne an meiner Musik erkennen, ob ich jemanden Neues datete. Damals kam ich mir total unzuverlässig vor, weil alle anderen so unterschiedliche Vorlieben hatten und ich mich so leicht beeinflussen liess, aber heute ergibt es total Sinn.
Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbsterkenntnis und völliger Abneigung gegen äussere Einflüsse. Unsere Aufgabe als Reflektoren ist es, ein Gleichgewicht in der Mitte zu finden, denn wir müssen diese Gefühle anderer Menschen spüren, um Einblicke in sie zu gewinnen.
Wenn Du das Gefühl habst, in Beziehungen – ob romantisch, freundschaftlich oder familiär – etwas den Überblick zu verlieren, kann eine „Wer bin ich?“-Liste helfen, Grenzen zu setzen und wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Hier sind einige Punkte, die Du berücksichtigen solltest:
Möchtest Du Dich an einem Ort niederlassen oder bevorzugst Du es, viel zu reisen?
Wie viel Zeit verbringst Du ehrlich gesagt gerne mit anderen Menschen? Menschen, die sich stark auf andere konzentrieren, brauchen Zeit und Raum, um die Energie, die sie von anderen aufnehmen, abzubauen. Daher kann es anstrengend sein, sehr anhängliche Freunde oder einen Partner zu haben, der rund um die Uhr an Deiner Seite sein möchte.
Wie gut unterstützen dich deine Beziehungen? Wir gehören zu den 1 %, die sich von allen anderen unterscheiden, und es kann beängstigend sein, um die nötige Unterstützung zu bitten. Aber du hast genauso viel Recht wie alle anderen, deine Bedürfnisse zu äussern.
Was sind meine Kernwerte? Du kannst auch Dein Human Design Chart betrachten und beispielsweise deine Frequenzen aus den GeneKeys zu Rate ziehen um einige der wichtigsten Aspekte zu erfassen, wie z.B. auch dein Profil (die beiden Zahlen, z. B. 6/2) und Dein Inkarnationskreuz.
Und wie sieht es mit wichtigen Entscheidungen in Beziehungen aus, zum Beispiel einem Heiratsantrag? Solche Dinge sollte man sich gut überlegen, bevor sie passieren. Es ist fast so, als müsste man die Überraschung etwas verderben, indem man sich vorher schon mal vorstellt, wie es wäre, diese Person zu heiraten.
Überraschung kann ein Zeichen dafür sein, dass ein Reflektor sein Design lebt, aber es ist keine Überraschung im Sinne von einer plötzlichen, weitreichenden Entscheidung. Steht eine wichtige Entscheidung an, hast Du jedes Recht, um Bedenkzeit zu bitten. Wird hingegen eine schnelle Antwort erwartet, benötigt der Reflektor vielleicht eine kurze Auffrischung seines Designs!
Hobbys, Urlaub und andere Freizeitaktivitäten
Wenn ich das Wesen eines Reflektors in zwei Worten beschreiben müsste, wären das die: Ausserordentlich. Wandelbar.
Diese Woche spielst du vielleicht mit Begeisterung Klavier, danach rührst du es zwei Jahre lang nicht mehr an. Der Abenteuerurlaub mit Anfang 20 war super, aber heutzutage würdest du dich nur noch in einem Ferienresort aufhalten. Letztes Wochenende war ich vollgepackt mit Freunden, dieses Wochenende geniesst du absolute Ruhe.
Einer der grössten Wendepunkte für mich persönlich war, mich vom Zwang zur Beständigkeit zu lösen. Ich weiss, ich weiss! Wir werden mit Botschaften bombardiert, die uns einreden wollen, wir müssten uns auf einen Beruf festlegen, entscheiden, ob wir Kinder wollen oder nicht, und unsere Lebensziele definieren ... und das alles noch während wir in der Ausbildung stecken!
Aber keine Reflektoren.

Das ist der Bereich meines Lebens, in dem ich am liebsten experimentiere, und ich glaube, das liegt daran, dass es sich sicherer anfühlt, als solche Dinge im Job oder in einer Beziehung auszuprobieren. Das Risiko ist in der Regel gering, da nicht viel passiert, wenn man beschliesst, die Science-Fiction-Romane, die man einst so geliebt hat, nicht mehr zu lesen.
Hobbys, Interessen und Dinge wie Urlaube sollen dem Leben Freude und Schwung verleihen, nicht dazu führen, dass man sich schuldig fühlt, wenn man mittendrin aufgibt. Hier sind ein paar Wege, wie ich meine reflektierende Seite genutzt habe, um diese Bereiche meines Lebens zu bereichern, anstatt mich von ihnen belasten zu lassen:
Urlaub/Reisen: Mir ist das Reiseziel egal, solange wir immer wieder mal für zwei bis drei Tage am Stück an einem Ort bleiben. Ich muss nicht ständig den Ort wechseln und schätze hin und wieder einen einen festen Ausgangspunkt. Ich schätze es, wenn wir immer wieder einen ganzen Tag einplanen, an dem ich keine Pläne habe.
Hobbys: Früher probierte ich gerne aus, was mich interessierte, solange es keine Investition kostet und ich keine Erwartungen habe, wie lange mich das Interesse fesseln wird. Als ich mich für den Kauf eines E-Bikes entschied, habe ich fast sechs Wochen lang überlegt, um ganz sicherzugehen, und seitdem nutze ich es regelmässig.
Wochenendpläne: Ich weiss, wer die wichtigsten Menschen in meinem Leben sind, und sie haben bei meiner Wochenendplanung oberste Priorität. Eine idee ist folgende: Plane Wochenenden nach dem Prinzip „eins ist da, eins ist frei“, sodass, egal was du dieses Wochenende machst, nächstes Wochenende wieder völlig frei ist. Manche mögen das nicht, und das ist okay. Lieber ecke ich ein paar Leute an, als schlecht gelaunt und unmotiviert aufzutauchen.
Bei wichtigen Ereignissen gilt: Wenn ich zusage, behalte ich mir vor, jederzeit wieder abzureisen. Manchmal gehe ich dann tatsächlich nach Hause, aber oft gehe ich nur kurz an die frische Luft, um mich zu sammeln.
Falls Du jemals das Gefühl hattest, andere aufgrund Deiner Unbeständigkeit enttäuscht zu haben, lade ich Dich ein, den Satz „Ich kann meine Meinung jederzeit ändern“ zu verwenden, um sich selbst die Erlaubnis zu geben, Deinen Interessen nachzugehen, ohne Dich festlegen zu müssen.
In der „realen Welt“ als Reflektor zu fungieren, kann entmutigend wirken, wenn man unsere angeborene Veranlagung mit den gesellschaftlichen Strukturen vergleicht. Denke daran, dass Du dazu da bist, der Gemeinschaft ihren Standpunkt aufzuzeigen. Das bedeutet manchmal, Missstände anzusprechen (wie beispielsweise starre Arbeitsstrukturen, wiederholende Verhaltensmuster) und den Bedarf an Veränderungen hervorzuheben.
Übung macht den Meister.
Alexander (Reflektor 3/5)
Foto von Rishabh Dharmani und Khyta auf Unsplash




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